Planungshaftpflichtschäden

Die spezielle Architekten- und Ingenieurversicherung deckt Planungsfehler ab. Da diese Fehler zumeist erst mit der Inbetriebnahme der Gebäude auffallen und die Baumaßnahmen zu diesem Zeitpunkt abgeschossen sind, ist die Fehlerbehebung mit Rückbau, Schadenbehebung und Wiederherstellung der Fertigstellung fast immer eine sehr kostenintensive Angelegenheit. Zudem ist die Schuldfrage nur in den seltensten Fällen eindeutig zu klären. Selbst bei einem erwiesenen Planungsfehler hat beispielsweise die ausführende Firma nach VOB eine Überprüfungsverpflichtung und trägt somit in den meisten Fällen eine Mitschuld, die sich in Form einer Schadenquotelung auswirkt. Nur wenn der Fachunternehmer nachweislich Bedenken angemeldet hat und der Fachplaner dennoch auf die fehlerhafte Umsetzung besteht, ist die ausführende Firma aus der Mitschuld entlassen.

Ein weiteres großes Problem stellt die Aufsplittung der Leistungsphasen nach der HOAI an unterschiedliche Ingenieurbüros dar. Gerne beauftragt der Bauherr ab der Leistungsphase 7, Ausführungsplanung, ein anderes Ingenieurbüro, um als eine Art Kontrollfunktion einerseits ein besseres Ergebnis zu erzielen und darüber hinaus bereits Fehler aufzudecken, die in der Vorplanung gemacht worden sind. Weiterhin wird ein weiteres fremdes Ingenieurbüro gerne mit der Bauleitung nach Leistungsphase 8 beauftragt, insoweit der Nachweis eines Planungsfehlers immer komplexer wird, zumal erfahrungsgemäß eine Mitschuld letztlich jedes beteiligte Ingenieurbüro trifft. Getoppt wird dieses ohnehin schon komplexe Konstrukt, wenn Ingenieurbüros sich Subplanern bedienen, die Teilbereiche des Auftrages abwickeln. Bauherrenseitig wird beispielsweise gerne die TGA, also die Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektrotechnik an ein Planungsbüro vergeben, was zum Beispiel die Elektroplanung an einen Subplaner weitergibt. In diesem Fall haftet im Außenverhältnis bei Ansprüchen des Bauherrn der Auftragnehmer und bei Fehlern der Elektroplanung im Innenverhältnis das Subunternehmen.

Konstruktiv und wirtschaftlich können erfahrungsgemäß solche Schäden nur unter Beteiligung aller Betroffenen in großen Diskussionsrunden aufgeklärt und zu einem Vergleich geführt werden, weil aufgrund der Komplexibilität ein Prozess sehr viel Zeit und Geld beansprucht und auch typisch über mindestens zwei Instanzen geht. Da meist auch durch Beweissicherungsverfahren über Gerichtsgutachter kein eindeutiges Ergebnis ermittelt werden kann, wird sich erfahrungsgemäß am Ende verglichen. Bei Streitwerten, die schnell im 6-stelligen Bereich liegen, sind diese Prozesskosten enorm.

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